Ich wollte es solange und hab mich vor zwei Jahren endlich getraut zum Gesangsunterricht zu gehen. Nicht nur meine Nachbarn kommt es zugute, auch ich durfte über das Singen hinaus so viel schöne Dinge lernen. Neben weichen Knien, einem roten Kopf und zitternden Fingern, sind hier drei einprägsame Dinge, die ich lernen durfte und mich heute über das Singen heraus unterstützen.

#1 – Du brauchst den Raum für die Resonanz

Das mit den vollen lauten Tönen mag bei mir einfach nicht gelingen. Besonders ein volles “A” bereitet mir Schwierigkeiten. “Gähne mal, Hannah”. Och ne, was neumodisches fällt meiner Gesangslehrerin jetzt schon wieder ein? Ich gähne, öffne den Mund und sie schreit “Und genau so halten”. Willkommen beim Zahnarzt oder was? “Schau in den Spiegel” Es ist wirklich wie beim Zahnarzt. Fehlt nur noch, dass sie mir erklärt wie ich mir meine Beißerchen putze. “So weit geht dein Mund auf, beim Singen machst du ihn nicht mal bis zur Hälfte auf.” Okay, ist auch ziemlich unbequem. Also warum sollte ich?

“Deine Stimmbänder und der Ton können nicht schwingen, wenn du ihnen nicht den Raum in deinem Mund gibst. Es fehlt der Raum für die Resonanz. Deswegen müssen wir ihn weit aufmachen, um den Ton einzuladen.”

Und wie sie liebevoll hinzufügt “Und es tut nur am Anfang weh, da trainieren sich Muskeln, so dass du Kiefer und Mund bald weiter und länger aufmachen kannst.” Ooops, das klingt plausibel und erinnert mich irgendwie an mein Leben. Wir wollen etwas, doch machen gar nicht Platz dafür. Wir verfolgen etwas, aber eigentlich wollen wir gar nicht alle Schritte dorthin gehen, weil es wehtun und unbequem werden könnte und Training braucht.

Wozu das Ganze? Wir singen mit der neuen Erkenntnis und dem offeneren Mund den Ton auf “A” erneut. Er klingt voller und ich erschrecke mich selber wie kraftvoll meine Stimme eigentlich sein kann, wenn ich ihr den Raum gebe. Achjaaa. Dafür machen wir das.

# 2 – Es fehlt nicht an Kraft, sie ist nur an der falschen Stelle.

Mein Favorit auf der “Mimimi-alles-ist-so-scheiße-Liste” ist der Gedanke “Ich kann das nicht. Mir fehlt die Kraft dafür.” Kennen wir alle in irgendwelchen Punkten in unserem Leben, oder? Wieviel Kraft steckt in Ausreden, statt diese einfach in das zu lenken, was uns wirklich nach vorne bringt. Wieder macht mich das Singen darauf aufmerksam. Eins meiner größten Probleme – ich versuche mit dem Hals, nicht mit dem ganzen Körper zu singen. Heißt ich versuche den Ton über Drücken am Hals zu kontrollieren. Das Schwierige daran – gerade da sollte es besonders locker sein damit der Ton frei rausströmen kann. Die leichtesten Dinge mögen mir nicht gelingen. Und wieder ist meine Gesangslehrerin genius of the week:

“Dir fehlt es nicht an Kraft, du setzt sie nur an der falschen Stelle ein. Du stützt deine Stimme nicht mit dem Atem. Versuche dich auf das richtige Einatmen, die Stütze und das Ausatmen zu konzentrieren. Du kannst den Hals nicht zumachen, wenn du den Atem und die Kraft im Bauch aktivierst.”

Okay, ich atme tief in den Bauch ein. Denke nicht an den Hals. Gebe Luft ab und lass den Ton aus meinem ganzen Körper kommen. Der Hals ist locker und der Ton vibriert lauter wie je zuvor. “Da ist er ja!”, freue ich mich. Und schwupps denke ich – ja wie lenke ich eigentlich sonst noch im Leben meine Kraft und verschließ mir damit sogar manchmal Türen, wo mir diese Kraft an anderen Stellen eingesetzt diese Türen öffnen würde?

# 3 – Das Tempo kommt von selber, wenn du wiederholst.

Höher, schneller, weiter. Ich höre ein perfekt aufgenommenes Lied und will es SOFORT – nein – am besten schon gestern genau so gut können. Was bei Liedern nie dabei steht ist die Dauer, die der Sänger dafür gebraucht hat es einzusingen, zu trainieren und allgemein wie lange er schon Stimmtraining betreibt. Das übersieht mein Kopf. Er will, dass ich es genau so singen kann. Jetzt, nach einmaligem Hören. Besonders bei schnellen Liedern, wird mir direkt ein Strich durch die Rechnung gemacht. Ich klinge wie ein Vogel auf dem Laufband. Irgendwie niedlich aber zu schnell aus der Puste.

“Man kann es mit Tanzen vergleichen. Da lernst du auch die Schritte zum Rhythmus und musst oft wiederholen bis du genau weißt wann du dich wie drehst. Beim Singen ist es nicht anders. Du musst das Lied kennenlernen, wissen wann du wie atmest und wo du den Ton hinführst. Und dann wiederholst du immer und immer wieder bis es sich automatisiert. Das Tempo musst du nicht trainieren, das kommt automatisch, wenn du es langsam beherrscht.”

Und auch das kennen wir alle. Was hat uns nicht schon alles im Leben überfordert, was nach wenigen Monat ein Kinderklacks war. Selbst bei Liedern die ich selber geschrieben habe und mir Aufnahmen von vor einem Jahr anhöre, denke ich mir “Wow, da hat sich ja einiges geändert.” Und es stimmt, das Tempo kommt von selber. Meine Aufgabe ist mich auf das Wiederholen zu fokussieren. 🙂

Hast du auch ein liebstes Hobby, das dir was über dein Leben beigebracht hat? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! 🙂