Ich laufe zu meinem Lieblingsbaum. Suche meinen sicheren Ort, Halt und frische Luft. Auf halben Weg mitten im Park ziehe ich meine Schuhe aus. Nehme sie in die Hand und laufe beseelt über den nassen Asphalt und die Pfützen. Von weiter weg kommen mir zwei Männer entgegen, die mich bemustern. Ich gehe kurz auf den Fahrradweg auf der Straßenbemalung entlang, damit sie Platz haben an mir vorbei zu kommen. Da sagt der Eine zum Anderen auf meiner Höhe: “Ach nein. Betrunken scheint sie nicht zu sein. Sie kann ja noch gerade aus gehen.”

Ich realisiere gerade erst was er gesagt hat, da sind sie schon an mir vorbei gelaufen. Ich fühle Wut, Hass, Traurigkeit. Ich versuche mir Mitgefühl für den taktlosen Herren einzureden, aber zu sehr treffen mich diese für mich sinnlosen Worte über meine nackten Füße.

Kurzes durchatmen und Gespräch mit Freundin Anastasia später:

Barfuß laufen ist der kranke Shit und ich würde was verpassen wenn ich es wegen solchen Kommentaren lassen würde.

Und ich hab gerade für mich verstanden, dass das Raum einnehmen ausmacht. Auch wenn ich mir gerne einreden würde, dass ich da drüber stehen mag, treffen mich seine Worte. Doch was ich merke etwas wird anders. Ich werde größer. Es trifft mich, aber ich nehme es in Kauf. Weil ich möchte barfuß laufen. Und die Freude daran so durch die Welt zu laufen ist größer als der Schmerz von unreflektierten Kommentaren. Raum einnehmen beginnt im wahrsten Sinne des Wortes in kleinen Schritten.