#14 âIch wĂ€re lieber nackt vom Zehner gesprungenâ â Stille SĂ€ngerin Theresa packt aus
#14 „Ich wĂ€re lieber nackt vom Zehner gesprungen“ â Stille SĂ€ngerin Theresa packt aus
Podcastfolge hier anhören:
Ich liebe es mit ehemaligen stillen SĂ€ngerinnen ins GesprĂ€ch zu gehen, mit Kundinnen, die den Sprung gewagt haben, dann bekomme ich jedes Mal aufs Neue den lebenden Beweis dafĂŒr, dass Singen so viel mehr ist als reine Technik.
In der aktuellen Folge durfte ich Theresa zu Gast haben. Sie hat vor vor einem Jahr „Stimm-Zauber“ gemacht und anschlieĂend weitere Gesangsstunden bei mir genommen. Jetzt ein halbes Jahr spĂ€ter, treffe ich sie wieder in dieser Podcastfolge.
Wir reisen zurĂŒck zu Theresas GesangsanfĂ€ngen: Wenn ich sie frage, wann ihr klar wurde, dass sie mehr mit ihrer Stimme machen möchte, gab es nicht DEN einzelnen Wendepunkt. Es war ein Hineinwachsen in den Wunsch mehr mit ihrer Stimme zu machen und das Timing „Stimm-Zauber“ in diesem Moment ĂŒber den Weg zu laufen.
Lange wusste sie nicht mal, dass man die eigene Stimme und Singen ĂŒberhaupt trainieren kann â sie dachte, entweder man ist damit gesegnet mit Talent oder eben nicht.
Genau diese Ăberzeugung begegnet mir bei so vielen von euch. Ein GlĂŒck, dass wir sie hinterfragen können! đ
Perfektionismus und die Angst vor Bewertung
Theresa wÀre lieber nackt vom Zehner-Turm gesprungen, als jemandem einen Ton vorzusingen. Stimme ist etwas ganz Verletzliches und Intimes. Und gleichzeitig hat man trotzdem den Anspruch, dass es von Anfang an einfach fluppen und immer sofort gut klingen muss.
Diese beiden Dinge landen dann im selben Topf: die Verletzlichkeit der eigenen Stimme und der Druck, sofort gut abliefern zu mĂŒssen.
Genau das dĂŒrfen wir trennen. Stimme ist etwas sehr Persönliches â und gleichzeitig eine FĂ€higkeit, die man trainieren kann. Erst wenn wir das auch beim Ăben auseinanderhalten, um es dann schrittchenweise zu verbinden, wird der Weg leicht und spielerisch statt zĂ€h und schmerzhaft.
Der Aha-Moment: Singen passiert nicht im Hals
Einer der gröĂten Klick-Momente wĂ€hrend Stimm-Zauber war fĂŒr Theresa: „Singen findet nicht im Hals statt, sondern fĂ€ngt eigentlich bei den Zehen an.“
Der ganze Körper ist unser Resonanzkörper, unser Instrument. Wenn wir uns immer kleiner machen und zusammenziehen, glauben wir mit der Zeit, das wir nur mit Druck beim Hals noch etwas bei unserer Stimme beeinflussen können, â und das klingt dann eng, schief und angestrengt.
Kinder machen es uns vor, was wir eigentlich können: Sie gĂ€hnen laut, schreien, drĂŒcken sich hemmungslos aus. Genau dieses Hemmungslose und Spielerische verlernen wir als Erwachsene. Und genau das dĂŒrfen wir uns beim Singen zurĂŒckholen.
Der faire Vergleich & das Drittel Prinzip
Ein groĂes Aufatmen hat Theresa auch durch das richtige Ăbungssetting bekommen, z.B. durch Rollenarbeit und verschiedene Haltungen, die wir gezielt trainieren können. Stille SĂ€ngerinnen vergleichen sich gern mit Stars und professionellen SĂ€ngern, dessen Aufnahme bearbeitet wurde und die Jahrzehnte Training hinter sich haben.
Das ist, als wĂŒrde man sich als SpaziergĂ€ngerin mit einem Olympia-MarathonlĂ€ufer messen. Es ist einfach nicht fair.
Erfolgreiche SĂ€nger arbeiten hart fĂŒr diese makellosen Ergebnisse. Es ist kein Traum, der einem in den SchoĂ fĂ€llt.
Und dieser nĂŒchterne Boden der Tatsachen kann uns stillen SĂ€ngerinnen am Ende die Sicherheit und Motivation zum Ăben geben, statt auf der Suche nach der „makellosen“ Stimme zu verzweifeln.
Theresa denkt dabei an das Drittel-Prinzip: Ein Drittel ist richtig gut, ein Drittel mittelmĂ€Ăig, ein Drittel einfach Mist â und zwar in so ziemlich allem im Leben, nicht nur beim Singen.
Warum sollte es beim Singen anders sein? Wenn man das weiĂ, nimmt es dem Frust auf der Durststrecke die SchĂ€rfe. Wer auf der Durststrecke ist, macht nichts falsch, der ist mittendrin besser und freier beim Singen zu werden.
Singen als Investition in LebensqualitÀt
Am Ende habe ich Teresa gefragt, was sie einer stillen SĂ€ngerin raten wĂŒrde, die kurz davor steht, sich mehr Raum fĂŒr ihre Stimme zu nehmen. Ihre Antwort: Go for it.
Wenn es kitzelt, wenn die Neugier immer wieder auftaucht â das ist der Körper, der spricht. Und dem darf man zuhören.
Ihr Fazit, das gleichzeitig ein wunderbarer Leitsatz ist: Singen ist eine Investition in LebensqualitÀt.
Danke, liebe Theresa, fĂŒr diese ehrlichen Einblicke.